Zahnsteinentfernung unter Narkose


Wir Menschen wissen, wie es um unsere Zähne bestellt wäre, wenn wir nicht regelmässig zum Zahnarzt gingen … Unseren Vierbeinern geht es da nicht anders. Auch bei ihnen ist die jährliche Zahnkontrolle unumgänglich. Behandlungen können aber nur unter Narkose sinnvoll durchgeführt werden.

Verschiedene Branchen wie Hundefutterindustrie und Pflegesalons haben die Zahnpflege als Marktlücke entdeckt. Nicht zu Unrecht, denn vier von fünf Hunden und Katzen entwickeln im Lauf ihres Lebens parodontale Erkrankungen. Durch sie kommt es zu einer mehr oder weniger schnellen entzündlichen Zerstörung des Zahnfleisches, des Zahnhalteapparates und des Kieferknochens, was letztlich zum Zahnverlust führt. Und nicht nur das. Unerträglicher Gestank von Entzündung und Zahnstein lässt auch den Duft Natwest currency converter des leckersten Futter in einer fauligen Wolke ersticken. Und das bei Hunden und Katzen, Tierarten deren Geruchsorgan deutlich besser funktioniert als unseres!

Und auch die Folgeschäden durch dauerhaft vor sich hinschwelende Eiterherde können immens sein. „Die lokale bakterielle Belastung durch Zahnbeläge und Zahnstein kann, neben der intraoralen Schädigung des Maulhöhlengewebes durch Ausbreitung der Bakterien über den Blutkreislauf zu entzündlichen Veränderungen an den Herzklappen und zu Miniabszessen in den Nieren und in der Leber führen“, sagt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) dazu. Neben häuslicher Zahnpflege ist jährlich mindestens eine Kontrolle der Mundgesundheit von Hund und Katze in der Tierarztpraxis unumgänglich, um eine notwendige Behandlungsbedürftigkeit rechtzeitig zu erkennen. Doch dies ist ohne Narkose nicht möglich. „Oft stellt bereits eine für die Behandlung notwendige vorausgehende Diagnostik mit Sondierung und Kontrolle der Zahnfleischtaschen aufgrund Schmerzhaftigkeit und Panikreaktionen sensibler Patienten einen belastenden Eingriff dar“, so die TVT weiter. „Dieser kann nur unter Sedierung / Narkose erbracht werden, welche für die häufig erforderliche Erstellung von Zahnröntgenaufnahmen ohnehin nach Röntgen- und Strahlenschutzverordnung obligatorisch ist.“

Gegen eine Narkose/Schmerzausschaltung werden zwei Argumente angeführt: 1. Die Narkose birgt Risiken. Meine Antwort: Ja, das stimmt! Doch diese Risiken sind minimal. 2. Zahnbehandlungen sind mit Schmerzausschaltung teurer. Meine Antwort auch hier: Jein! Man muss dafür weniger Geld bezahlen – doch wenn es hinterher noch einmal gemacht werden muss, siehts mit der „Ersparnis“ nicht mehr ganz so gut aus….

Warum eine Narkose zur Behandlung unumgänglich ist, sagt auch die TVT: „Zum Entfernen des Zahnsteines ist eine Fixierung des Kopfes und Zahnreinigung eine Sperrung des Maules notwendig, um sicher alle inneren und äußeren Seiten aller Zähne zu erreichen. Die Töne des Ultraschallgerätes werden von Hunden und Katzen aufgrund ihres Hörvermögens anders als beim Menschen als besonders unangenehm empfunden. Auch das Wasser, das als Kühlung der Ultraschallsonde gespült wird, wird als extreme Belastung von den Tieren empfunden, die Panik auslösen kann. Wenn also der Eingriff ohne Narkose durchgeführt wird, kann dies zu Abwehrbewegungen führen, die schwere Verletzungen der Tiere und auch des behandelnden Personals nach sich ziehen können.

Diese vier Probleme, nämlich die erforderliche Fixation, der unangenehme Geräuschpegel, das Einsprühen von Wasser in die Maulhöhle und vor allem der Schmerz bei Berührung und Sondierung chronisch entzündlicher Gewebe, führen zu einer extremen Stresssituation bei dem behandelten Tier und sind nur in Narkose auszuhalten.

Ohne Narkose werden dem Tier tierschutzrelevante Schmerzen zugefügt.Die Behandlungen können so nachfolgend zu gravierenden Verhaltensstörungen wie z.B. Kopfscheuigkeit und Angstzuständen führen.

Übrigens: Zahnpflegeartikel machen nur bei gesunden Zähnen wirklich Sinn. Sind die Zähne krankhaft verändert, muss zuerst behandelt werden!

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de