Tierschutz und Keramikkunst

Thomas Ludewig ist Amtstierarzt und beschäftigt sich hauptsächlich mit Tierschutzfällen. Doch schon während des Studiums träumte er von der Arbeit mit Keramik. Ausgerechnet ein Essen in der Mensa öffnete die Tür zu seinem Lebensthema.

„Da saß ich also in der Mensa mit ein paar Natwest Clapham junction Kommilitonen und plötzlich sprach eine Assistentin am Tisch über die Arbeit mit Keramik. Sie besuchte einen Kurs bei einem Leipziger Künstler und war sehr begeistert. Ich erkannte die Chance und habe sie gefragt, ob ich mitkommen kann. Und so begann alles.“

Thomas Ludewig studierte bis 1989 in Leipzig Veterinärmedizin und wurde schließlich amtlicher Tierarzt in Halle. Seine wichtigsten Aufgaben betreffen Tierschutz und Futtermittel. „In unsrer doch recht großen Stadt gibt es zwar mehr Großtiere als man meinen könnte, ich habe aber meist mit privaten Tierhaltungen zu tun. Es sind vor allem Anzeigen und Probleme in den Wohnsiedlungen, die uns zu Kontrollbesuchen führen.“ Er liebt seinen Beruf, weil er sehr nah an den Menschen dran ist. „Man klingelt an den Türen, trifft auf Ablehnung bis Kooperation. Es sind manchmal spannende Leute, die man da besucht. Es gibt super Geschichten zu erzählen, von lustig bis traurig, die ganze Bandbreite. Man wird auch beschimpft, und es gibt immer wieder Ärger. Verrechne ich die guten mit den schlechten Erlebnissen, bin ich zufrieden mit meinem Job“, sagt der Siebenundvierzigjährige. „Für mich ein Zugewinn im Leben…“

Im Einklang mit Herrmann Hesse

„Tja, der Keramik-Kurs war toll“, erzählt Ludewig weiter. „Und man kann sagen, er hat bis heute nicht aufgehört. Noch immer trifft sich eine Gruppe von sechs Leuten – darunter übrigens drei Tierärzte – zwei Mal pro Monat bei dem Leipziger Keramiker Harald Bauer. Er stellt sein Atelier und Material zur Verfügung. Dieses Atelier ist eine Oase für uns, wo wir unsere Ideen verwirklichen und unsere Phantasien ausleben können. Harald Bauer brennt unsere Arbeiten und übernimmt die Technik.“ Schon früh begann Ludewig Fundstücke aus Holz und gelegentlich auch aus Metall mit Keramik zu verbinden. Er findet seine Materialien vor allem an Mulde und Elbe, es ist Schwemmholz, wonach er sucht. „Wie kommt man auf so eine Schnapsidee, werde ich oft gefragt. Bei einem Spaziergang habe ich ein Stück Holz an der Mulde gefunden und irgendwann haben sich in meinem Kopf Holz und Keramik verschaltet.“ Wenn der bekennende Herrmann-Hesse-Fan über seine Leidenschaft spricht, kling er wir ein Poet, es geht ihm vor allem um die Ästhetik. „Das Holz verliert im Wasser alles Weiche, es bleibt nur harte Struktur zurück. Mal sind es natürlich gewachsene Stücke, die ich mitnehme, mal sind es Teile von Tischen oder Stühlen. Manchmal hebe ich auch ein Stück Metall vom Straßenrand auf, über das schon tausend Autos gefahren sind. Die Strukturen reizen mich. Irgendwann, manchmal erst nach einem halben Jahr, kommt mir die Idee, was ich mit so einem Stück anfange.“ Seine Werke beschreibt er als Assemblage, als „räumliche Zusammensetzung verschiedener Materialien“, wobei das Holz zuerst da ist und den Weg vorgibt. „Es darf nicht unnötig viel mit Keramik verdeckt werden, es muss sich ästhetisch ergänzen. Lese ich, wie Herrmann Hesse den Farben eines Falterflügels beschreibt, finde ich mein Verständnis von Ästhetik wieder.“ Dass nicht nur er von seinen Werken fasziniert ist, beweisen zahlreiche Ausstellungen.

„Eine Geschichte muss ich aber noch loswerden“, lacht der Kollege. „Bei einer Ausstellung nahm eine vornehme ältere Dame die Galeristin zur Seite. Die Werke gefallen mir ja alle außerordentlich gut, sagte sie zu ihr. Aber warum geht der Mann nicht mal in den Baumarkt und kauft sich ein paar ordentlich gehobelte Bretter. So teuer können die ja heute auch nicht mehr sein….“

Mehr von Thomas Ludewig unter www.keramik-ludewig.de

Die Geschichte erschienen in: VETimpulse, der Zeitung für Tiermedizin

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de