Tier zu alt zum Operieren?

Es beginnt mit der „zweiten Meinung“ und mündet in Fasssungslosigkeit meinerseits: Ein Tier nicht zu behandeln, weil es „zu alt“ ist? Ich frage dann: Möchten wir so herumlaufen?

Ein Tier mit stinkenden, verfaulten Zähnen; eine Hündin mit kopfgroßen Tumoren; ein Deutscher Schäferhund mit Knochenproblemen, die ihn unter permanenten Schmerzen leben lassen. Warum das? Tierbesitzer, bisheriger Tierarzt oder der Hundetrainer meinten: Zum operieren ist der doch schon zu alt. Das lohnt sich nicht mehr …. das überlebt der nicht mehr …. Narkosen kann man bei Alten nicht mehr machen ….

Sicher: Das Narkoserisiko ist bei Senioren deutlich erhöht. Viele haben Herzprobleme oder Schwierigkeiten mit Leber und Niere. Doch mal ganz im Ernst: möchten Sie mit solchen Leiden leben? Und wie halten es Menschen aus, wenn ihr Hund neben ihnen im Bett schläft und einen intensiven Geruch nach Kot verbreitet? Aus dem Mund!

In einem Vortrag berichtete Dr. Dr. Fahrenkrug, der „Erfinder der Tierzahnheilkunde“, dass Zahnsanierungen die Lebenserwartung um bis zu drei Jahre verlängern können. Der Versuchsaufbau ist mir zwar nicht ganz klar, doch kann ich es mir gut vorstellen: Die permanente Belastung der Niere etwa durch Entzündungsprodukte, die sie abbauen muss, ist enorm! Und auch ein Gedanke dazu: Gerade Hunde erleben über ihre Nase. Ist es nicht Tierquälerei, sie ständig mit so einem Geruch essen zu lassen?

Ein Fall aus der Praxis: „Fibule“ hatte mit zehn Jahren bereits zum dritten Mal eine Gebärmuttterentzündung. Bislang hatten konservative Behandlungen mit Entzündungshemmern, Schmerzmittel und Antibiotika geholfen. Doch nun waren die Keime gegen erste Antibiotika resistent, der Hund bereist stark geschwächt. „In dem Alter noch operieren?“, fragte mich die Besitzerin. Ich sagte: „Das ist doch noch kein Alter!“ Natwest working hours Wir operiertenFibule und sie überstand die OP hervorragend. Sie wurde sage und schreibe 18 Jahre alt! Ähnliches kann ich von Schäferhunden berichten, denen wir mit dreizehn noch Milztumore entfernten oder mit Goldakupunktur Knochenschmerzen linderten.

Mein Rat: Wenn ein Tier offensichtlich leidet, eine OP helfen würde und die „Erlösung“ nicht zur Debatte steht – ruhig das Risiko auf sich nehmen und die Narkose wagen! Denn dass tatsächlich etwas passiert,  ist auch bei Risikopatienten unglaublich selten.

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de