Nach „Fiffi“ die Sintflut?

Nehmen sie ihren Beruf ernst? Betreiben sie ihn mit Leidenschaft? Was, wenn sie sich richtig Mühe geben, ihren Job richtig gut machen – und am Ende einen Arschtritt dafür bekommen? 

Es liegt in der Natur des Lebens, dass mit dem Alter auch die Zipperlein wachsen. „Wenn du morgens aufwachst und dir tut nichts weh, dann weisst du, dass du tot bist“, heisst so ein Sprichwort. Bei unseren vierbeinigen

Gute Betreuung - nichts wert?

Patienten ist das ähnlich. Mit dem Alter kommen die Krankheiten und man sieht die Patienten immer öfter. Den Besitzern der Tiere wird dann eine gute – allzeit erreichbare – tierärztliche Unterstützung immer wichtiger. Und mir als Tierarzt wachsen Frauchen und Wauwauchen bzw. Herr und Hund zunehmend ans Herz. Ich will alles tun, damit die Beiden noch viel angenehme Zeit miteinander verbringen können. Dumm ist natürlich, dass das Ganze nicht mein Hobby ist. Alleine, um die Praxis am Laufen zu halten, muss ein enormer Kostenapparat bedient werden. Personal- und Raumkosten, Medikamente, Kredite, Praxisfahrzeug uswusw. Und ganz am Ende wollen meine Kinder auch noch was zu essen haben. Ich muss also Geld nehmen. Da fragt man sich: Idealismus, Tierliebe, Menschenfreundlichkeit und engagierte Tiermedizin betreiben – ist das zu vereinen? Ja?

Ich muss da an eine Hundebesitzerin im Speziellen denken. Ihre beiden Tiere waren alt und krank und wir hatten in den letzten Jahren viel miteinander zu tun. Sie hatten eine dramatische Vorgeschichte, waren einer berüchtigten „Tötungsstation“ entkommen und hatten schwere chronische Leiden. Die junge Frau hatte wenig Geld. Wir betrieben dennoch gute Medizin und hielten zugleich die Kosten niedrig. Mit Erfolg. Innerhalb eines Monats mussten die Hunde trotzdem mit 16 bzw. 14 Jahren beide ihren letzten Gang gehen. Es war herzzerreissend! Seufzend verabschiedete ich mich von Frauchen. Es ist schwer, in so einer Situation über Geld zu sprechen, aber es gehört natürlich dazu. „Ich bringe das Geld am 1. vorbei“, hauchte die Frau unter Tränen. Dieser 1. ist nun schon viele Monate und Mahnungen her. Sieht mich die Frau auf der Strasse, schaut sie schnell weg, rennt in eine andere Richtung, springt in ihr Auto und fährt davon …. Es geht um 280 Euro. Und diese Geschichte ist kein Einzelfall! Was denken sich solche Leute? Lachen die über einen Tierarzt, der sich Mühe gibt? Denken die, „Fiffi ist tot, da kann die Sintflut ruhig kommen!“? Oder: „Jetzt brauch ich ihn ja nicht mehr!“?

Es fällt schwer, so etwas nicht persönlich zu nehmen, wenn man seine Arbeit mit Herzblut betreibt. Was habe ich falsch gemacht? Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier  zu Natwest money ernst genommen? Mir zu viel Mühe gegeben? Und was soll ich daraus lernen? Sagen Sies mir. Bitte!

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de