Marathon als Trainingslauf

Seit 1989 ist Uwe Ellger 101 Marathons und Ultramarathons gelaufen. Zur Zeit macht er eine Radtour – nach Singapur!

„Laufen“ ist derzeit die absolute Trendsportart. Und wer sich einmal für diesen Sport begeistert hat, fasst als „großen Traum am Ende vieler Kilometer“ einen halben oder gar ganzen Marathon ins Auge. Doch noch weiter als 42 Kilometer laufen? Geht das überhaupt? Und macht das der Körper mit? Über solche Distanzen kann Kollege Uwe Ellger aus Ismaning nur müde lächeln. Er läuft Ultramarathon – eine Disziplin, die bis zu 250 Kilometer umfasst. „Früher habe ich Städte gesammelt“, erzählt er. „New York, London, Paris, Frankfurt, Berlin Boston, ich war bei all den großen Marathons

dabei.” Seine Leidenschaft für den Laufsport ging so weit, dass er dafür die Praxis aufgab und einige Jahre als Reiseveranstalter für Laufsportreisen gearbeitet hat. „Teilweise habe ich große Umsätze gemacht, aber es war ein hartes Brot und ich hatte leider oft nörgelnde und undankbare Kunden – schlimmer noch als wir das aus der Praxis kennen.“ Seine Reisen führten ihn nicht zuletzt nach Sri Lanka, wo er auch eine Zeit lang lebte und arbeitete – und den internationalen Marathon von Sri Lanka gründete und organisierte. „Meine persönliche Bestzeit war zwei Stunden 57 Minuten. Nichts besonderes“, so Ellger bescheiden, „das entspricht etwa Platz 800 von 8000.“

 

Mittlerweile hat den Kollegen aber das Alter eingeholt. „Die Schnellkraft hat nachgelassen. Früher bin ich im vorderen Drittel mitgelaufen, heute im hinteren Teil. Der Marathon verliert an Reiz, wenn man nicht mehr mithalten kann.“ Doch wo andere aufgegeben und sich einem beschaulichern Hobby zugewandt hätten, läuft der 58-jährige Kollege heute „nur noch“ Ultramarathon. „In Wirklichkeit tun kürzere Läufe viel mehr weh, in der Lunge und in den Muskeln. Der Ultramarathon ist beschaulicher. Die Platzierung ist mir egal, ich will meinen Spaß dabei haben und ankommen. Man kämpft nicht so verbissen, sondern kann sich ein wenig auf dem Weg mit anderen Läufern unterhalten. Doch man muss sich sehr genau überlegen, wie man mit den Kräften haushaltet. Detail Strategie/Technik?? 2-3 Sätze Aber es gibt auch Zeiten, wo man sich unwohl fühlt. Dann macht man eine Pause, lässt sich massieren und unterhält sich mit den Zuschauern.“ Von „quälen“ möchte er in diesem Zusammenhang nichts wissen. „Ich bin nicht faul und muss mir immer Ziele im Leben stecken. Wichtig sind mir Gesundheit und Bestätigung! Ich habe mich übrigens nicht ein einziges Mal verletzt!“

Marathon als Trainingslauf

„Aufgegeben“ hat der Kollege in all den Jahren allerdings zwei Mal. Und diese „Niederlagen“ haben geschmerzt. „Das erste Mal war nach 70 Kilometern beim Marburger 100er-Lauf. In der Zeitung war groß angekündigt worden, dass ich dabei bin. Bei Kilometer 81 war vor meiner damaligen Praxis ein Verpflegungsstand und das halbe Dorf wartete auf mich. Und kurz vorher konnte ich einfach nicht mehr….. Das andere mal war nach 100 Kilometern beim Spartathlon, einem historischen Lauf von Athen nach Sparta. Das sind 250 Kilometer in 36 Stunden. Es war eigentlich ein guter Lauf, trotz 35 Grad im Schatten. Nur hat es mein Magen nicht mitgemacht. Ich konnte nicht genug trinken, und das wars dann leider.“ Muss man für solche Strecken nicht ungeheuer viel trainieren? „Nein“, meint Ellger. „Es ist eigentlich kein anderes Training als für einen normalen Marathon. Vier bis sechs Mal davor laufe ich 30 Kilometer am Stück, manchmal auch einen Marathon zum Training. Einfach weil’s praktisch ist. Man kann ja nicht einfach loslaufen und nach 100 Kilometer ankommen. Man braucht unterwegs Wasser und Verpflegung, medizinische Betreuung usw. Trainiere ich solche Strecken, versorgt mich meine Frau. Aber bei Marathonveranstaltungen ist ja eh schon alles da.“ Apropos: Was sagt Frau Ellger, die übrigens Kinderärztin ist, wenn ihr Uwe so viel Zeit mit dem Sport verbringt? „Ganz einfach: Die läuft auch! Sie ist insgesamt 25 Marathons gelaufen, ein paar davon haben wir zusammen gemacht und zwei Mal sind wir händchenhaltend ins Ziel gekommen!“

„Teil der Legende“: Comrades!

„Südafrika ist für Ultramarathon-Läufer das non-plus-ultra“, sagt Ellger. Der Comrades Marathon ist der älteste und größte Ultra-Marathonlauf der Welt. Die cirka 90 Kilometer lange Strecke liegt zwischen Pietermaritzburg, der Hauptstadt der Südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal, und der Küstenstadt Durban am Indischen Ozean. Das Rennen fand erstmals 1921 zu Ehren der gefallenen Südafrikanischen Soldaten des Ersten Weltkriegs statt, seitdem wird es jedes Jahr wieder veranstaltet. Nur im Zweiten Weltkrieg gab es eine Unterbrechung. Für viele Südafrikaner ist der Comrades-Lauf das wichtigste sportliche Ereignis im Jahr, es wird in voller Länge (bis zu 13 Stunden) im Fernsehen übertragen. Das können Selbst daran teilzunehmen ist das Größte für jeden Südafrikaner. Vorraussetzung ist aber die Qualifikation bei einem normalen Marathon. „Doch auf der Strecke hat es ein paar ordentliche Berge. Beim nächsten Lauf sind das 2000 Höhenmeter! Man streitet sich, was mehr weh tut: bergauf oder bergab? Einen Ultramarathon läuft man nicht mit den Beinen, sondern mit dem Kopf, sag ich immer.  Aber der Comrades geht schon ganz schön in die Beine!“ Unser Kollege läuft ihn heuer zum achten Mal. „Wenn man zehn mal dabei war, hat man eine permanente Nummer, man ist Teil der Legende. Wenn ich das schaffen würde, wäre ich der zweite Deutsche, dem das gelingt!“ Seine Bestzeit liegt hier unter siebeneinhalb Stunden, „die Profis schaffen es unter sechs Stunden. Da geht es dann aber auch um Doping und mehrere hundert tausend Euro Preisgeld. Übrigens liegen hier nicht die Afrikaner vorn, wie beim Marathon sonst üblich. Sehr viele der Gewinner sind aus dem früheren Ostblock.“

 

 

Gegenwärtig machen Ellgers übrigens eine Radtour – von München nach Singapur! Uwe betreibt einen Reise-Blog, in dem er uns regelmäßig teilhaben lässt. Tolltolltoll! Der Tripp soll ein Jahr dauern.

Hier der Link dazu:

http://velo-traumreise.blogspot.com/

Mehr über „Die Leidenschaften der Tierärzte“ in Natwest app iPhone meinem Buch:

http://www.amazon.de/Die-Leidenschaften-Tierärzte-Henrik-Hofmann/dp/3940254010/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=gateway&qid=1305101488&sr=8-1-spell

Be Sociable, Share!
Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de