Impfung schützt: Staupe vom Wildtier

Immer wieder wird die Notwendigkeit von Impfungen angezweifelt. Dabei zeigen punktuelle Ausbrüche, dass eine Bedrohung sehr wohl besteht. Sie geht entweder von importierten Tieren aus – oder von Wildtieren, wie ein Befund aus Gießen zeigt.

(Gießen/hh) – „Masernimpfung rettet Leben“, schreibt der Stern am 17. September 2013 in seiner Onlineausgabe. „Mit nur 14 Jahren stirbt Micha an einer Gehirnentzündung, ausgelöst durch Masernviren. Er starb, weil ein anderes Kind nicht geimpft war. Die Impflücken bei Masern sind verheerend.“ Sogenannte Impfgegner nehmen aus den verschiedensten Gründen den Tod von Kindern in Kauf. Wenig anders sieht es in der Tiermedizin aus. Auch hier besteht zunehmend „Impfmüdigkeit“. Dabei zeigen punktuelle Ausbrüche immer wieder, wie wichtig eine flächendeckende Impfung ist! Ursache sind immer wieder Importe ungeimpfter Tiere. Landen sie in einer Population, in der ungeimpfte Hunde sind, haben die Viren leichtes Spiel.

Eine aktuelle Untersuchung des Hessischen Landeslabores zeigt erneut, dass Erregerreservoir für Staupeviren – einem Verwandten des Masernvirus – auch Wildtiere sein können.

Bei einem Waschbären hat der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) am 6. September 2013 Staupe festgestellt.

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Unterschätztes Risiko: Erregerreservoir für Staupeviren

Die Staupe (engl.: Distemper) ist eine Virus-bedingte Infektionskrankheit, die bei Hunden, Mardern, Stinktieren, Robben und Kleinbären auftreten kann. Menschen sind nicht betroffen. Typische Symptome dieser Erkrankung sind Zeichen einer Allgemeininfektion wie hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Abhängig von den weiterhin spezifisch betroffenen Organsystemen können unterschiedliche Verlaufsformen mit Durchfall, Erbrechen oder gegebenenfalls Symptome einer Atemwegsinfektion, häufig begleitet von einer starken Bindehautentzündung, beobachtet werden. Im weiteren Erkrankungsverlauf ist auch eine Schädigung von Gehirnzellen möglich. Daher wird häufig auch von zentralnervösen Störungen Staupevirus-infizierter Tiere berichtet.

Das Staupevirus ist weltweit verbreitet. Eine enge verwandtschaftliche Beziehung besteht zum Masernvirus des Menschen und zum Rinderpestvirus. Eine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlangte das ebenfalls eng verwandte Seehund-Staupevirus, das Ende der 1980er Jahre ein massenhaftes Sterben von Seehunden an der Nordseeküste verursachte. Das Virus ist gegenüber allgemeinen Umwelteinflüssen wenig stabil, so dass es außerhalb des lebenden Organismus nur wenige Tage ansteckend bleibt. Dennoch ist der Erreger gegenüber Trockenheit und tiefen Temperaturen vergleichsweise widerstandsfähig. Gängige Desinfektionsmittel allerdings inaktivieren das Virus sehr schnell.

„Souvenir“ aus dem Urlaub, Importtiere und Wildtiere als Ansteckungsquellen

Staupe hat vielfältige Symptome

Staupe hat vielfältige Symptome: Bindehautentzündung

Neben der Infektion durch erkrankte, nicht geimpfte Hunde kommen als Infektionsquelle infizierte Wildtiere in Betracht. In einer relativ neuen Untersuchung wurden in Sachsen-Anhalt bei in den Jahren 2010 – 2011 erlegten Füchsen eine Infektionsrate von über 30 Prozent festgestellt! Weitere, diesbezügliche Daten aus früheren Jahren existieren aus Berlin (11 %), Brandenburg (4,4 %), Mecklenburg-Vorpommern (5 %). Weitere Untersuchungsergebnisse liegen aus den europäischen Nachbarländern vor. So wurde in Luxemburg eine Infektionsrate von 13 %, in Spanien eine von 7,8 – 26,4 % (abhängig von der Region) und in Portugal 9,1 % festgestellt.

Bei Haustieren stellt die Impfung die wichtigste Prophylaxemaßnahme dar. Gerade bei jagdlich geführten Hunden kommt der Impfung eine besondere Bedeutung zu. Wichtig in Zusammenhang mit der Staupeinfektion ist noch darauf hin zu weisen, dass zentralnervöse Störungen bei Waschbären prinzipiell auch Hinweis auf eine Tollwut-Infektion sein können.

Landesbetrieb Hessisches Landeslabor
 Schubertstr. 60 (H13)
35392 Gießen

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de