Hundehautwurm: Eingewanderter Parasit gefunden

In Deutschland wurden erstmals Larven des Hundehautwurms in Stechmücken nachgewiesen. Bislang kam er nur in Südeuropa vor. Klimaveränderung und die Einfuhr infizierter Hunde können Ursachen für eine Etablierung dieses Parasiten sein. Theoretisch ist er auch auf den Menschen übertragbar…

von Henrik Hofmann

Importhund.dirofilaria repens tierundleben.de

Anzahl und Lokalisation der erwachsenen Würmer bestimmen die klinische Symptomatik. Infizierte Hunde sind oft symptomlos, können aber im Einzelfall unterschiedliche Hautreaktionen zeigen wie etwa Juckreiz, Hautentzündung oder knotige Veränderungen. Es fallen schmerzlose, subkutane Knoten auf, die durch die Anwesenheit von erwachsenen Würmern verursacht werden. Die Knoten können vorübergehend auftreten, denn die Würmer wandern durch das subkutane Bindegewebe.

Die 5 bis 17 Zentimeter große Filarienart Dirofilaria repens lebt im Bindegewebe der Unterhaut, ihre Lebensdauer beträgt bis zu 5 Jahren. Während Operationen kann D. repens in Muskelfaszien (zufällig) gefunden werden. Dirofilaria repens ist ein enger verwandter des Herzwurms (D. immitis).

Der Hautwurm ist zweiwirtig und wird von verschiedenen Stechmückenarten übertragen. Endwirt sind Hund, Katze und Wildkarnivoren. D. repens ist humanpathogen, mit mehr als 270 in Europa beschriebenen Fällen. In Europa ist dieser Parasit im ganzen Mittelmeerraum, Portugal, auf den Kanaren und im Balkan (häufig in Ungarn) und in der Ukraine verbreitet. „In der Regel erreichen die Würmer nach Übertragung auf den Menschen nicht die Geschlechtsreife und sterben spontan ab“, berichten Wissenschaftler des Bernhard-Nocht- Instituts für Tropenmedizin (BNI). Ärzte diagnostizieren meist nur wandernde Schwellungen und Knotenbildung an der Haut oder finden frühe Parasitenstadien am Auge, die dann operiert werden müssen. Bei hoher Infektionslast mit Entwicklung zur Geschlechtsreife und Mikrofilarienbildung (Larvenbildung) können in seltenen Einzelfällen auch generalisierte Krankheitsbilder beim Menschen auftreten, wie Hirnhautentzündung, die dann medikamentös zu behandeln sind.

Bei Hunden sollte zunächst geklärt werden, ob Begleitinfektionen wie Babesiose, Ehrlichiose oder Borreliose vorliegen. Erst wenn diese behandelt sind, sollten die Hautwürmer bekämpft werden. Dies geschieht zweistufig – zunächst die Erwachsenen, dann die Larven.

Besser als eine Behandlung ist Vorbeugung mit geeignetem Parasitenschutz. Geeignete Mittel zu günstigen Preisen gibt’s beim Haustierarzt.

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Ausbreitung nach Deutschland und Gegenmaßnahmen

Die Dauer der Entwicklung infektionstüchtiger Larven in den Stechmücken ist temperaturabhängig und liegt zwischen zehn und 30 Tagen. Da Stechmücken durchschnittlich weniger als 30 Tage leben, galt Deutschland bislang aufgrund der klimatischen Bedingungen als nicht gefährdete Region. „In unserem Institut wurden in aedesaegyptiden letzten Jahren etwa 30 Fälle dieser Fadenwurm-Infektion beim Menschen nachgewiesen – alle Fälle standen im Zusammenhang mit Auslandsreisen“, erläutert Professor Egbert Tannich, Leiter der Abteilung für Molekulare Parasitologie am BNI und Koordinator eines deutschlandweiten Mückenprojekts, das in den letzten zwei Jahren rund 75.000 Stechmücken an 55 Fangorten in neun deutschen Bundesländern sammelte. Die Wissenschaftler klassifizierten die Mücken und untersuchten diese anschließend auf Parasiten. In drei Stechmückenarten aus Brandenburg identifizierten sie wiederholt Dirofilaria repens nachweisen. Durch die großangelegte Überwachung können Wissenschaftler rechtzeitig vor einer Ausbreitung von Infektionserregern warnen und möglicherweise eine Ausbreitung verhindern.

Verbreitung durch Klimawandel und Import von Hunden

Die in Brandenburg gefundenen Parasiten werden als Larven von verschiedenen Stechmücken übertragen.            Hauptreservoir der Larven sind Hunde, aber auch wild lebende Tiere wie Marder oder Füchse. In ihnen entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen Würmern. Infektionen mit Dirofilaria repens (Kutane Dirofilariose) sind in Südeuropa sowie in vielen Ländern Afrikas und Asiens endemisch.

In den letzten Jahren erschienen immer häufiger Berichte über autochthone – vor Ort erworbene – Infektionen in weiter nördlich gelegenen Ländern wie Österreich, Tschechien oder Polen und neuerdings auch bei Hunden in Deutschland. „Offenbar ermöglichen Klimaveränderung und insbesondere die vereinfachte Einfuhr infizierter Hunde aus Südeuropa die Etablierung der Infektion auch in Zentraleuropa“, vermutet Tannich.

Durch die großangelegte Überwachung können Wissenschaftler rechtzeitig vor einer Ausbreitung von Infektionserregern warnen und möglicherweise eine Ausbreitung verhindern.

 „in Brandenburg stabile Übertragung“

Neuere Klimaprojektionen haben ergeben, dass auch in Deutschland zumindest in den Sommermonaten Juli und August eine Entwicklung von Larven in den Stechmücken in ausreichend kurzer Zeit gegeben ist. „Da wir den Parasiten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefunden haben, liegt der Verdacht nahe, dass zumindest in Brandenburg bereits eine stabile Übertragung stattfindet.“

Umso wichtiger sei es, dass Tierärzte möglichst viele infizierte Hunde identifizieren, um sie entsprechend zu behandeln und so eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern, betont Tannich. Denn unbehandelte Hunde können den Parasiten bis zu sieben Jahre in sich tragen.

Ob in diesem Jahr die starke Zunahme der Stechmückenpopulationen – bedingt durch Starkregen und Hochwasser – zusätzlich zu einer vermehrten Übertragung des Hundehautwurms führen werde, hänge laut BNI-Experten von der Temperaturentwicklung in den kommenden Monaten ab.

http://www15.bni-hamburg.de/bni/bni2/neu2/inc/news/news_pdffiles/2013/PM-BNI_Filarie-Muecke_130709.pdf

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de