Hunde folgen ihrem Leithund

Maja Nowak spricht mit Frida

Gebe ich meinem Hund Leckerlis, macht er (meistens) was ich will. Schön einfach. Aber will man wirklich einen Hund, der nach jeder guten Tat auf die Hosentasche schielt? Irgendwie war uns das mit der positiven Verstärkung suspekt. Wir fuhren 550 Kilometer nach Oranienburg – in eine Hundeschule.

Ein Gastbeitrag von Vivien und Christian (und Frida)

Als wir Frida bekommen haben, stellten wir uns immer wieder die Frage nach der richtigen Erziehung. Natürlich gingen wir mit ihr in die Welpenstunde. Wie man das eben so macht. Und eine Hundetrainerin Natwest small loans haben wir auch engagiert. Sie brachte unserem Hund in vier Einzelstunden die Grundlagen des höflichen Hundes bei. Allerdings war Frida auch extrem gelehrig und wir hatten wenig Mühe mit ihr. Dennoch spukte immer wieder der Gedanke in uns, ob wir mit dem Hund nicht anders kommunizieren könnten, als über Leckerlis.

Abzüge in der Betragensnot

"Der Mensch muss Führung lernen"

Irgendwie fehlte da ein Teil im Beziehungspuzzle, um das Vertrauensverhältnis zwischen uns und unserem Hund zu vollenden. Außerdem gab es noch Abzüge in der Betragensnote, was den Abruf aus spannenden Situationen und die Zurückhaltung bei der Begrüßung fremder Leute betraf. Über eine Freundin erfuhren wir irgendwann von einem Fernsehbericht, in dem eine Frau vorgestellt wurde, die dort reißerisch als „Hundeflüsterin“ tituliert wurde. Maja Nowak. So etwas wollten wir nun auch wieder nicht. Aber neugierig wurden wir schon. Der Fernsehbericht war dann so faszinierend, daß wir umgehend versuchten, ein Seminar bei Maja zu buchen. Der Film zeigte, wie sie nur über Gestik und ein bestimmtes Abbruchsignal Hunde anspricht und mit ihnen kommuniziert. Augenscheinlich war ihre Sprache so verständlich, daß die Hunde nach kurzer Zeit das taten, was von ihnen verlangt wurde. Und alles ganz ohne Leckerlis…

Hühnchentopf ist Tabu-Zone

Wir fuhren sehr skeptisch, aber gespannt nach Oranienburg, um uns das anzuschauen. Und gleich die erste Übung hat uns umgehauen. Nach wenigen Sekunden mit Maja ignorierte Frida einen Riesentopf Hühnchen, der direkt vor ihr stand und ließ sich ohne Probleme rufen. Das war nicht unser Hund. Dachten wir. Was war geschehen? Maja hatte Frida signalisiert, dass der Bereich um den Hühnchentopf für sie tabu ist. Und da Hunde so wie ihre Vorfahren, einem Leithund folgen und sich den Entscheidungen eines Leithundes unterordnen, weil diese die besten sind, hat sie diesen Bereich akzeptiert und einen großen Bogen um den Topf gemacht.

„Er lernte, die Bösen zu ignorieren“

Unter den Teilnehmern des Seminars war ein mächtiger Hovawart. Er kam ausgerüstet mit Stachelhalsband, denn mehrere Hundetrainer waren an seiner „absoluten Hundeunverträglichkeit“ gescheitert und die Besitzerin entsprechend verzweifelt. Schon zu Beginn des Seminars versprach Maja deutliche Besserung und verlangte die

Hundekurs bei Maja Nowak

"Mein ganzes Leben dreht sich um Kommunikation."

sofortige Entfernung des Stachelhalsbands. Nach einem Tag tobte er mit den anderen Hunden auf der Wiese. Ein „aggressiver“ Schäferhundmix, der seinen Radius bis aufs letzte verteidigte, konnte nach kurzer Zeit seinen Maulkorb ablegen und sich entspannt im Kreise der anderen Hunde und deren Besitzer aufhalten. Und ein kleiner Angstkläffer, der nicht zur Ruhe zu bringen war und sich fast zum Herzinfarkt bellte, war am Ende des Seminars zwar noch nicht ganz tiefenentspannt, lernte aber sichtlich, sich auf sein Frauchen zu verlassen und die bösen anderen Hunde zu ignorieren.

Mehr braucht kein Mensch.

Alles war wir lernten, war unserem Hund ein guter Leithund zu sein, der gute Entscheidungen trifft. Damit hört das Kläffen eines an der Leine reißenden Hundes auf, der nur bellte, weil er die Rolle des Leithundes übernehmen musste und damit sichtlich vollkommen überfordert war. Es geht nicht darum, seinen Hund permanent bei Fuß laufen zu lassen oder ihm durch Konditionierung ein gewünschtes Verhalten anzutrainieren – das macht keine gute Führung aus. Nur durch minimale Körperbewegungen und ein kleines Stopsignal lernen die Hunde, die Kontrolle abzugeben und sich auf ihre Bezugsperson zu verlassen. Allein dadurch entwickelt der Hund das Verhalten, das man sich für ein entspanntes und vertrauensvolles Zusammenleben wünscht. Mehr braucht kein Mensch – und auch kein Hund. Und das Ganze funktioniert auch bei anderen Hunden – wir haben es selbst ausprobiert.

Wie spricht - der Mensch? Mit dem Hund!

 

Unser Fazit: Frida hat es genossen. Sie läßt sich inzwischen zuverlässig zurückrufen – auch wenn ein noch so verlockender Schatz auf der Strasse liegt. Und man hat nie das Gefühl, sie zu bestrafen. Es ist im Gegenteil ganz normal, als Leitfigur meinem Hund Grenzen aufzuzeigen und ihm zu verdeutlichen: „Das übernehme ich!“ Das braucht sie. Und sie wird unsere Grenzen nach kurzer Zeit akzeptieren. Wir selbst sind nun auf dem Weg, gute Leithunde zu werden. 

 

(c)2011 alle Bilder und Text by Christian Purschke / VetPress.de


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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de