In Wyoming/USA erlitten zwei Landwirtschaftshelfer schwere Magen-Darm-Infektionen. Die veranwortlichen Keime sind keine Seltenheit – der Weg der Ansteckung klingt dagegen bizarr.
Im Sommer diesen Jahres erkrankten zwei Arbeiter auf einer Schaf-Farm in Wyoming an Durchfall. Magen-Krämpfe, Schwindel und Fieber waren derart heftig, dass einer der Beiden im Krankenhaus stationär aufgenommen wurde. Die Mediziner isolierten aus den Kotproben Campylobacter jejuni, einen Keim der rund zehn Prozent der ursächlich geklärten Durchfallerkrankungen verursacht. Die Ansteckung erfolgt beispielsweise über Geflügel(-fleisch) oder infizierte Haustiere. Es gibt auch Fälle, in denen sich Hunde bei ihren Besitzern infiziert haben…
Unsere beiden “Sheep-Boys” infizierten sich dagegen auf eine besondere Weise. Nach eigenen Angaben beteiligten sie sich an einer mehrtägigen Kastrations- und Schwanzamputations-Aktion auf einer Schaffarm. Hier kastrierten sie manche der rund 1600 Schafböcke mit den Zähnen. Einige der Tiere hätten leichte Durchfälle gehabt – was die beiden von ihrer “traditionellen” Kastrationsmethode offensichtlich nicht abgehalten hat. Das dortige Gesundheitsamt ging dem Fall nach. Hunde, Katzen, Pferde und Rinder auf der Farm waren den Untersuchungen zufolge frei von Campylobacter, die Patienten hätten weder rohes Geflügel noch unpasteurisierte Milchprodukte verzehrt; auch durch Kontakt zu Kollegen habe kein Infektionsrisiko bestanden. Im Kot von Lämmern wurden die Bakterien dagegen nachgewiesen.
Und die Moral von der Geschicht: Wer Hoden abbeißt bekommt leicht mal einen Durchfall.
Der texanische Blogger PJM / old-photos.blogspot.com berichtet, dass auf den großen Schaffarmen Amerikas Schwanzamputation, Kastration und Entwurmung innerhalb von zwei Minuten durchgeführt würden – und die “Oldtimers” komplizierte Kastrationsmethoden für zu zeitraubend hielten. Bei der “Mund-Methode” wird der Hodensack mit einem scharfen Messer aufgeschnitten, die Hoden abgebissen, in einen Eimer gespuckt und abends als “Rocky-Mountain-Oysters” gebraten. Na denn Jungs, lasst’s euch schmecken!
An dieser Stelle ein Hinweis: IN DEUTSCHLAND SIND KASTRATIONEN MIT DEN ZÄHNEN NICHT Erlaubt!! Auch nicht in großen Betrieben. Im Gegenteil. Europaweit werden ausführliche Diskussionen und Untersuchungen um schmerzfreie Kastrationsmethoden bei Ferkeln durchgeführt. Die Kastration mit den Zähnen gelte bei uns als Akt der Tierquälerei – falls dies ohne Schmerzausschaltung geschähe.
Quelle: ttp://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm6048a4.htm?s_cid=mm6048a4_x
(Danke an Diana Peters für den Hinweis!)
(Thank’s to Paul/PJM für die Erlaubnis zur Verwendung des Fotos! Die abgebildeten Personen haben nichts mit den im Text genannten Landwirtschaftsgehilfen zu tun!)
Zu Campylobacter jejuni:
Die Bakterien spielen eine bedeutende Rolle bei der Reisediarrhoe. Wie bei vielen Enteritiden anderer Genese sind auch bei Campylobacter-Infektionen Kinder und Jugendliche besonders häufig von Erkrankungen betroffen. In Deutschland nehmen Campylobacter-Infektionen unter den bakteriellen Darminfektionen gegenwärtig den zweiten Rang nach den Salmonellen ein. Es wird von einer Rate zwischen 10 und 50 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner berichtet.
Das hauptsächliche Erregerreservoir sind Wildtiere, insbesondere Wildvögel, z. B. Enten, Gänse und Möwen. Eine Übertragung dieser Erreger kann aber auch von Hausgeflügel, Rindern, Schweinen, Schafen, Hunden, Katzen und Nagetieren ausgehen. Campylobacter werden überwiegend durch die Nahrung, z. B. nicht ausreichend durchgegartes Geflügelfleisch, rohe Milch und Milchprodukte, oder durch mit Oberflächenwasser kontaminiertes Trinkwasser sowie infizierte Haustiere im Umfeld von Kindern übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist ungewöhnlich.
Die Krankheit dauert in der Regel einen Tag bis zu einer Woche, mitunter auch länger. Die seltenen protrahierten oder chronischen Verläufe betreffen meist immundefiziente Personen. Als seltene Komplikation kann das Guillain-Barré-Syndrom auftreten. Die Gesellschaft für Neuropädiatrie beschreibt das “Guillain-Barré-Syndrom” als “akute, meist postinfektiös auftretende Polyneuritis mit multifokaler Demyelinisierung im peripheren Nervensystem”. Das Guillain-Barré- Syndrom ist in Europa und Nordamerika die häufigste Ursache für akute generalisierte Lähmungen beim Menschen.
http://www.gesundheitsamt.de/alle/seuche/infekt/bakt/campyl_j/rg.htm









Danke! Somit bekommt das Wort “Zeitzone” eine völlig andere Bedeutung
Hier noch ein Link einer Kollegin aus einem anderen sozialen Netzwerk:
Ein Video, in dem ein Reporter der Serie “Dirty Jobs” von dieser Kastrationsmethode erzählt. Don’t worry, keine Bilder:-) In Hinsicht Tierschutz nicht mein Standpunkt aber generell sehr gut.
http://www.youtube.com/watch?v=r-udsIV4Hmc