Hähnchenfleisch ist Wellness?

Wir lieben weißes Hähnchenfleisch – es vermittelt das Gefühl von Reinheit und Wellness. In Wahrheit aber rouiniert es die Menschen in Afrika, ist verkeimt und entspricht selten dem, was wir uns unter Natwest mortgages intermediaries Tierschutz vorstellen.

Rund 11 Kilogramm Hähnchenfleisch isst jeder Deutsche laut Stiftung Warentest pro Jahr. Doch um den hohen Ansprüchen des Verbrauchers zu genügen, muss das Fleisch zwei Vorraussetzungen erfüllen: Es muss billig sein und es sollte Brustfleisch sein. Schätzungsweise 80 Prozent des in Deutschland im Supermarkt verkauften Hähnchens ist dementsprechend Brustfleisch. Das mit dem Preis ist nicht all zu schwer. Hierfür müssen Landwirt und Tier herhalten. Für das lebende Schlachthähnchen bekommt der hiesige Landwirt von seinem Vertragspartner rund 1,60 Euro. 33 Cent hat er für jedes Küken bezahlt. Bleiben 1,27 Euro für Futter, Energie, Wasser, den teueren Stall. Der Lohn des Bauern beträgt am Ende maximal fünf Cent pro Tier – wenn alle gut gedeihen bzw. überleben. „Ohne Vertragspartner“, so ein Hühnermäster, „geht es schlechter als mit Lotto.“ Und was passiert mit den „Resten“, den Beinen, Flügeln, Hälsen und Innereien? Sie gehen häufig nach Afrika. Allein Ghana importiert jährlich 90.000 Tonnen gefrorene Hühnerteile, produziert in den Schlachthäusern Europas oder Amerikas. Die Schwemme der Hühnerteile aus den Industrienationen zerstört in den afrikanischen Entwicklungsländern allerdings die lokalen Märkte, treibt dort Hühnerfarmer und verarbeitendes Gewerbe in den Ruin, berichtete neulich ein Fernsehteam. Es ist billiger als einheimisches Geflügel und auch die dortige Hausfrau mag sich nicht mehr mit Rupfen lebender, auf dem Markt gekaufter Tiere aufhalten.

„Neben dem Zusammenbruch der lokalen Märkte haben die Tiefkühl-Importe auch noch andere negative Auswirkungen: In einem Land ohne eine funktionierende Kühlkette ist tiefgefrorenes Hähnchen ein erhebliches Risiko. Die Menschen erkranken an dem Verzehr von verdorbenem Hähnchen. Auch nimmt man es bei den Exporten nach Afrika mit den Mindesthaltbarkeitsdaten vermutlich nicht so genau. Verbindliche Hygienevorschriften gibt es in Afrika selten. In Kamerun wurde Ende der 90er Jahre bei Kontrollen festgestellt, dass von 200 Tiefkühlhähnchen-Stichproben 85 Prozent des Fleisches nicht zum menschlichen Verzehr geeignet waren.

Daraufhin verbot Kamerun den Import von Tiefkühlhähnchen. Ghana hat diesen Schritt noch nicht vollbracht. Die Welthandelsorganisation und die Industrienationen bestehen auf einem „freien Fluss der Waren“ – gemeint sind meistens ihre Waren.“(http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/147509/index.html).

Tierschutz? Hier nicht, oder?

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“, lautet der wichtigste Kernsatz des Tierschutzgesetzes. Männlichen Legeküken können nicht wirtschaftlich gemästet werden, denn durch die einseitige Zucht auf Legeleistung ist das Fleischansatzvermögen schwach. Also werden millionen Küken gleich nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Ein Riesenproblem für den Tierschutz, für das Image von Geflügelfleisch und schon einem Durchschnitts-Verbraucher kaum zu vermitteln. Von einem Bio-Kunden, der auch mit dem Anspruch einkauft, ein besonders artgerecht erzeugtes Produkt zu erhalten, gar nicht erst zu reden.

Einen Ausweg haben unsere französischen Nachbarn gefunden. Bei ihnen gibt es Qualitätsgeflügel, das zudem aus artgerechter Haltung stammen muss. Das sind beispielsweise Bresse-Hühner oder das Label Rouge-Gütesiegel. Das hat aber einen Haken: Es ist teurer als das Hähnchen aus der Massentierhaltung – und das akzeptiert der Verbraucher hierzulande nun auch wieder nicht so gerne.

Oder seh‘ ich das falsch?

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de