In der Landwirtschaft fallen Entscheidungen über Leben und Tod aus wirtschaftlichen Gründen. Für Tierärzte häufig schmerzlich – man könnte helfen, darf es aber nicht. Doch es gibt auch Ausnahmen …
Die “Nutzungsdauer” von Tieren in der Landwirtschaft und auch deren ärztliche Versorgung unterliegen streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Für wie lange wird die Kuh noch Milch geben? Was bekomme ich für das Tier, wenn ich es zum Schlachten gebe? Die Folge: Milchkühe leben selten länger als vier-fünf Jahre. Operationen und Behandlungen unterbleiben oftmals, weil der zu erwartende Erlös für Milch oder Fleisch unter Kosten und Risiko liegt. Sie sich nicht “lohnen”. Ein gängiges Procedere in wahrscheinlich jeder Branche, egal ob Müllentsorgung, Atomkraft, “Rating” oder Lebensmittelproduktion: Einzig auf den Profit kommt es an.
Zu erwartender Erlös x Behandlungskosten x Risiko, dass es nix wird = lohnt sich/nicht
Bei einem Tier ist das natürlich besonders schmerzhaft. Um so erfreulicher war jüngst dieses Kalb. Die Mutter war wohl auf sein Beinchen getreten und es war gebrochen. Die Untersuchung ergab, dass es ein “sauberer” Bruch an einer gut zugänglichen Stelle war, gelenksfern. Dennoch kam die Bäuerin nach kurzem Überlegen zur Erkenntnis, dass Behandlungskosten und Risiko, dass es trotzdem nichts wird, eine Behandlung für sie unsinnig machte. “Tja, wieder mal so ein Fall”, dachte die behandelnde Tierärztin. Der Verbraucher will nichts fürs Fleisch bezahlen, also lässt mans lieber gleich ….
Der Bauer strich indes dem Kälbchen über den Kopf. “Frau Hoffmann, ich brings einfach nicht übers Herz”, sagte er zur Tierärztin. “Probiern wirs!”
Die Tierärztin kam von diesem Hausbesuch ganz euphorisch zurück. “Das gibt mir den Glauben doch wenigstens ein bisschen zurück!”
Henrik Hofmann









