Als Tierarzt bemüht man sich, im Notfall immer für seine Patienten da zu sein. Doch “Notfall” wird von manchem allzu großzügig ausgelegt – da macht sich bei Tierärzten der Frust dann doch mal breit. Ein Gastbeitrag.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Anruf Falkner am Sonntagabend:
helfen Sie mir, mein Jungadler kann seit einer Woche keinen Ton von sich
geben, fressen kann er aber….
Was füttern Sie denn?, frage ich zurück
Na, Küken …auch Tauben…
Wie kann ich helfen?….
Ich brauch was gegen Lungenwürmer!
Ich: Wie bitte?
Einen Abstrich habe ich beim TA schon machen lassen.
Worauf? Mit welchem Medium?, frage ich langsam fassungslos.
In zwei Tagen habe ich das Ergebnis!
Ja, und dann?
Ich möchte jetzt – am Telefon – Hilfe….
Ja, wieeeee denn, ohne Untersuchung? Was ist mit dem, der den Abstrich untersucht hat?
Der Falkner wird jetzt ungeduldig: Sagen Sie mir einfach, was ich jetzt dem Vogel geben kann….Medikament P. oder S.? Das mache ich immer so. Trichomonaden hat der nicht! Aspergillus auch nicht!
Woher wissen Sie das?, frage ich ihn.
Vor der Therapie steht bei mir eine Diagnose!
Denken Sie doch mal an Leber und Niere Ihres Vogels, wenn Sie so
eigenmächtig herumtherapieren…..
Hä, ich mach’ das jetzt schon so lange….20 Jahre…
Ich auch….!
Wütend hat er dann eingehängt.
Sich telefonisch Wissen zu erschleichen, um dann auf krummen Wegen eine
Eigenbehandlung durchzuführen, ohne ordnungsgemässe Untersuchung -
das ätzt mich an – immer noch und immer wieder.
Frustgrüße
Tierärztin N.N.
auch dieses Mal: Das Bild ist willkürlich gewählt!









Ich empfehle solchen Kunden mal eine Weile in Schweden zu (über)leben. Dann werden die auch erstens die ständige Verfügbarkeit und den direkten (!) Zugang zum Tierarzt nicht nur zu schätzen wissen, sondern vielleicht auch mit der nötigen Achtung begegnen. Von den Kosten mal ganz abgesehen.
Hier würde es keinem im Traum einfallen mit so was irgendeinen Tierarzt zu belästigen. Davon abgesehen, dass man zu dieser Tageszeit eh keinen Tierarzt direkt an die Strippe kriegt.