Einfach nur Milch

Ich glaube ja, dass ein Großteil der „wissenschaftlichen“ Untersuchungen ein klein bisschen zu industriefreundlich ausgelegt sind. Da wirkt die jüngste Einschätzung der Risikobewerter hinsichtlich Kindermilch irgendwie erleichternd.

Einfach mal ne Milch trinken ...

Werbung umgibt uns alle, sie weckt Bedürfnisse und hält die Wirtschaft in Gang. So weit so gut. Manche Werbung, ob im Fernsehen, Internet, Radio oder in Zeitungen und Zeitschriften, ist sogar recht unterhaltsam und kreativ. Doch Werbung geht sehr weit. Ich wette, dass selbst Ratschläge und wissenschaftliche Untersuchung für Glück, Gesundheit und ewiges Leben von Interessen getrieben sind … Und manchmal trifft Werbung uns mitten ins Herz – wenns um emotionale Themen wie geschunde Menschen und Tiere, esoterische Themen, Ernährung oder ganz einfach unsere Kinder geht. Beispiel: Kindermilch. Zielgruppe: junge Eltern. Da liest man bei den Herstellern von Milchprodukten unter anderem etwas floskelhaft: „unterstützt die Entwicklung Ihres Kindes optimal“. Oder im – auf der Hand liegenden – Vergleich: „Anders als Kuhmilch ist sie ideal auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmt“. Oder die Steigerung: „Besser als Kuhmilch – ideal für die Ernährungsbedürfnisse Ihres Kleinkindes geeignet“.

Diese Aussagen beziehen sich meist auf die Gehalte von Proteinen, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen. So beuge ein – im Vergleich zu Kuhmilch – reduzierter Proteingehalt späterem Übergewicht vor, angereicherte Vitamine und Mineralstoffe trügen zur optimalen geistigen Entwicklung bei. Nach jüngster Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bieten Kleinkindermilchgetränke jedoch keinen Vorteil gegenüber fettreduzierter Kuhmilch. „Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind diese besonderen Kleinkindermilchgetränke nicht notwendig“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Vielmehr tragen angereicherte Vitamine und Mineralstoffe in Kleinkindermilch zu einer unkontrollierten Erhöhung der Zufuhr einiger Nährstoffe bei, während andere Vitamine und Mineralstoffe in geringeren Mengen enthalten sind als in Kuhmilch. Zudem gibt es auch aromatisierte Sorten von Kindermilchprodukten zu kaufen. Kinder gewöhnen sich schnell an solche Geschmacksrichtungen und es wird dadurch schwieriger, sie später an normale Kuhmilch zu gewöhnen. Von Zucker oder Süßstoffen („Masthilfsmitteln“), möchte ich erst gar nicht anfangen. Natwest local branch Ein aktueller Marktcheck der Verbraucherzentralen hat außerdem ergeben, dass Kindermilchprodukte bis zu viermal teurer sind als fettreduzierte Kuhmilch.

Nach den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung sind 300 bis 330 ml konventionelle Milch oder Milchprodukte (Joghurt, Dickmilch etc.) pro Tag die optimale Basis für die kindliche Entwicklung. Vielleicht ein Beispiel zu einem meiner Lieblingssprüche: Oft ist das Bessere der Feind des Guten.

hh / www.aid.de

 

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de