Doc, ich hab da mal was nachgelesen

Eine der größten Freuden für Tier- wie Menschenärzte sind Kunden mit ausgefeiltem Halbwissen. Wichtigste Informationsquelle: Das Internet! Denn Patienten(besitzer) tun sich mit der Internetrecherche  nicht unbedingt einen Gefallen.

Früher standen solche Menschen schnell im Verdacht, „Oberlehrer“ zu sein: Versuchte man ihnen einen Sachverhalt aus dem eigenen Fachgebiet zu erklären, wussten sie alles besser. Heute ist es ganz normal, vom Arzt nach Hause zu gehen und erst mal nachzulesen, was der eigentlich gesagt hat. Zum Teil geschieht das aus purer Neugier, zum Teil, weil Medizinmann/-frau nicht ordentlich erklärt hat. Oder, weil man generell allen „Schulmedizinern“ misstraut.

Mangelhafte Aufklärung ist schlecht! Ich denke, es ist die Pflicht eines modernen Therapeuten, seinen Kunden alles so zu erklären, dass sie es kapieren. Die Zeiten der Halbgötter in Weiß ist vorbei, genau so, wie die Zeitenmysthischer Therapien. Ich kenne einen sehr erfolgreichen Kollegen, der von sich sagt, er verkaufe nur eines: Zeit! Zu ihm kommen Patientenbesitzer, die von ihren Haustierärzten im Regen stehen gelassen wurden. Als austherapiert und psychotisch und weiss nicht was abgetan.

Misstrauen ist ebenfalls schlecht. Denn a) hat der „Schul“Mediziner sein Wissen nicht auf der Schule erworben sondern sich durch ein tiefschürfendes echt mühsames Studium gequält, b) liegt ihm selbst aus tiefstem Herzen die Heilung seiner Patienten am Herzen. In kaum einem Beruf gibt es so viele Idealisten, die sich eigenes Versagen nicht verzeihen.

Neugier ist dagegen gut. Sie ist unerlässlich, um gut informiert zu sein. Heute muss man mitreden können, verstehen, was gemacht wird. Auch verstehen, warum eine Behandlung Geld kostet. Entscheidungen müssen häufig gemeinsam getragen werden. Ich weigere mich etwa, über den Tod eines Tieres allein zu entscheiden. Das muss vom Besitzer und seiner Familie mit getragen werden. Es gibt auch Behandlungen, die ich für grenzwertig halte. Andere sind wiederum teuer. Auch das ein Thema, das geklärt sein muss!

Ich hatte neulich selbst ein orthopädisches Problem. (Deshalb habe ichübrigens  so lange nicht gebloggt.) Mein Arzt hat eine klare Diagnose gestellt, mich beraten und aufgeklärt. Als ich zu Hause war, habe ich dann auch noch im Internet recherchiert. Ich habe mir Bilder angeschaut, verschiedene Therapieverfahren studiert. Beim nächsten Termin habe ich den Natwest international transfers Orthopäden angesprochen und wir haben diskutiert. Er hat mir erklärt, warum er bestimmte Verfahren für gut oder schlecht hält, hat mir noch mal seine Methode erläutert. Mich an seiner Erfahrung teilhaben lassen. Ich bin mit Vertrauen (zum Arzt) in die OP gegangen und habe es nicht bereut.

Was ich am berüchtigten Halbwissen nicht mag ist: Es gibt so viele Quellen im internet. Wie kann ich denen vertrauen? Die wenigsten Quellen (das sage ich jetzt als Journalist) sind uneigennützig. Sicher enthält alles Wahrheit. Doch warum sollten Firmen ganze Internetauftritte gestalten, tausende von Euro dafür ausgeben – und selbst nichts davon haben? Und da ist es egal, ob das Pharmafirmen, Apotheken, Händler oder „Heilkundige“ sind! Und noch etwas: Liest man als Laie all zu viel nach, läuft man Gefahr, aus den kleinsten Symptomen, die größte Krankheit zu basteln. Ich kenne viele, die nach der ersten Tablette den Waschzettel studieren – und plötzlich ALLE beschriebenen Nebenwirkungen bei sich selbst – oder ihren Tieren – erkennen.

Wie haltet ihr das mit der Internetrecherche bei eigenen Erkrankungen?

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de