Der Wert der Tiere

Wer eine Katze hat, ist nicht selten bereit, alles für sie zu geben. Doch „Wert“ ist relativ. Ist er abhängig von Rasse, Zuneigung oder Geschlecht? Eine Reise nach Absurdistan….

Ein älterer Mann brachte seine Katze zu uns. Sie war in der Geburt und wie wir alle wissen, endet ein dramatisches Geburtsproblem bei der Katze meistens schlecht. Es lag also nahe, nach einem konservativen Versuch einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Der Besitzer willigte ein, hinterließ seine Daten und ging. So weit so gut.

Am Abend benachrichtigten wir ihn, dass er Natwest complaints line Mutter und fünf Welpen abholen könne. Doch er kam nicht. Mittlerweile war die Katze aus ihrem Zwinger entkommen und hatte sich mit ihren Welpen in unserem Homöopathie-Schrank verschanzt. Zufall oder nicht. Wir bekamen sie da erst mal nicht mehr raus, sie verteidigte die Kleinen mit ihrem Leben. Irgendwann zog die Falinie hinter die Magnetfelddecke und fühlte sich síchtlich wohl. Süß, doch irgendwie nicht optimal. Und acht Wochen und zwölf Anrufe später war uns klar: Katzen und Welpen waren unser! Wir impften sie also, entwurmten und boten sie in der Zeitung an. Für 60 Euro. Wir erhielten drei Anrufe. Erstens der Tierschutzverein einer nahegelegenen Kreisstadt, der uns beschimpfte, sie zu billig abzugeben. Dann zwei Damen, die fragten, ob wir noch ganz dicht seien, so viel für Katzen zu verlangen.

Letztens kam ein junges Paar in die Praxis. Sie hatten im Süden Deutschlands von einem Züchter eine Wildkatze, so eine Art Mini-Puma, erworben. „Weiblich und gesund wie auf den Fotos im Internet.“ Doch irgendwie kam den Leuten etwas faul vor. Tatsächlich war das Tier abgemagert, hatte Durchfall und war bislang nur mit Küken entwurmt. (Im Ernst!) Und „sie“ war männlich. Man muss nun wissen, dass sich diese Katzen genetisch mit Hauskatzen kreuzen lassen – die Wild-Kater in den Haus-Kätzinnen aber gelegentlich „Beute“ sehen und sie übel zurichten. Tja, und leider hatte der Züchter die Papier nicht dabei. Und als die neuen Katzenbesitzer zu ihm hinfuhren, um zu reklamieren waren die bereits bezahlten 5000 Euro „leider schon ausgegeben“. „Wenn ich die nächste Lieferung aus Osteuropa bekomme, können sie den Kater ja umtauschen“, meinte der Züchter. Letztens riefen die beiden an. Sie waren noch immer sauer auf den Züchter „aber der Kleine ist so süß, den geben wir nicht mehr her“. Papiere egal. „Und der spielt so süß mit unsren Hauskatzen!“

Ich fragte sie, ob sie Interesse an vier Butzbacher Raubkätzchen hätten. „Sechzig Euro?“, gaben sie zurück. „Das sind doch nur Katzen, oder?“

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de