Denn wir essen unsre Freunde ….

Ein Tierschutz-Gütesiegel für Fleisch? Und das auch noch von Tierärzten? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Ich meine Nein! Und wünsche mir das schon lange. Die Bundestierärztekammer arbeitet nun an solch einem Siegel.

„Das Wichtigste“, sagte eine Schlachthoftierärztin zu mir, „ist ein guter Totmacher am Fließband! Ich versuche immer Tierschutzaktivisten für diesen Job zu gewinnen.“ Diese Aussage hat mich vor fast zwanzig Jahren wirklich geschockt. Ein Tierschützer, der am Fließband Tiere tötet? Nach zwei Wochen Praktikum wusste ich, was sie gemeint hatte: Von nachlässigen Schwachköpfen nur mangelhaft betäubt, zappelten schreiende Schweine am Haken, sprangen angesengte Tiere aus dem vollautomatischen Brühkessel und rannten quer durch die Schlachthalle. Die Kollegin: „Das ist für mich der verantwortungsvollste Job in der ganzen Schlachtkette. Und um das richtig zu machen, muss der Totmacher Tiere so sehr mögen, dass er ihnen den Tod möglichst erträglich machen möchte….“ Grausig, ich hätte damals weinen können.

Noch ein Beispiel gefällig?

Alle Welt träumt von der „guten alten Zeit“, wo der Bauer seine Tierchen in einer kleinen Idylle in seinem kleinen individuellen Ställchen hält. Großbestände: Pfui Teufel! In der Wirklichkeit sieht es leider oftmals anders aus. Ich kam im Dezember auf einen Hof, da saßen zwei Schweine gemeinsam in ihrem Stall. Sie waren Geschwister und etwa ein Jahr alt. Der Bauer verkündete, dass nun das erste geschlachtet würde. Das andere sei dann im Februar an der Reihe. Als ich einige Wochen später wieder vorbeikam, wollte ich nach dem verbliebenen Schwein schauen. Doch es war weg. „Was ist mit dem Schwein?“, fragte ich. „Tja“, druckste der Mann herum, „als wir das andere geschlachtet haben, hat das hier aufgehört zu fressen. Die beiden haben ja ihr Leben lang zusammen gesessen. Es muss die Einsamkeit gewesen sein.“ Das Schwein ist verhungert.

Ich habe noch mehr von diesen Beispielen auf Lager, möchte aber meine Leser damit verschonen. Tatsache ist, dass Tiere gehalten, geschlachtet und gegessen werden. Wir sind ihnen schuldig, dass das so schonend wie möglich geschieht. Wegzuschauen oder Tierschutz an dieser Stelle gar zu verurteilen ist schändlich! Ob man auf Biosiegel Wert legt oder nicht ist ein Stück weit Glaubensfrage. Tierschutz aber sicherlich nicht!

Business loans Natwest class=“alignleft size-full wp-image-293″ title=“sauen.HH0_1169″ src=“http://www.es-spricht.de//wp-content/uploads/sauen.HH0_1169.jpg“ alt=““ width=“212″ height=“142″ /> Für ein Tierschutz Gütesiegel gibt es verschiedene Ansätze u.a. vom Bundesministerium. Der Ansatz der        Tierärzte ist wahrscheinlich der umfassendste und betrifft sowohl den Haltungs- als auch den       Schlachtbereich.

Hier die Pressemeldung der Bundestierärztekammer dazu:

Bundestierärztekammer fordert Gütesiegel Tierschutz

Die Bundestierärztekammer regt einen runden Tisch mit Vertretern aus Politik, Landwirtschaft, Fleischindustrie und der Tierärzteschaft an, um ihrer Forderung nach einem Gütesiegel Tierschutz, ähnlich dem Biosiegel, Nachdruck zu verleihen. „Tierschutz sollte eigenständiges Qualitätsmerkmal guter Lebensmittel sein“, so Professor Dr. Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. „Deutschland kann damit seine führende Rolle im Tierschutz in Europa und weltweit ausbauen.“ Eine hohe Lebensmittelqualität ist aber nicht zum Nulltarif zu haben. Die Aufklärung der Verbraucher spielt eine wichtige Rolle. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um auch die Verbraucher zu überzeugen, dass Tierschutz für gute Lebensmittel essentiell ist und seinen Preis hat“ bekräftigt Professor Mantel seine Aussagen.

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de