„Ein Leben ohne Mops …

Mops-Nasen - im Wandel der Zeit (Quelle: s.u.)

 

Kein Zweifel: Möpse zählen zu den liebenswertesten Hunderassen überhaupt. Doch gerade jetzt im Sommer wird deutlich, was wir ihnen vielfach antun. Ein Umdenken bei Züchtern und „Konsumenten“ ist dringend nötig.

Vor 13 Jahren habe ich mir ziemlich unbedarft ein Paar Möpse zugelegt. Eine Züchterin wollte die beiden dringen los werden – Aufgabe des Hobbys. Wahrscheinlich war ich durch Loriots Bücher Mops-infiziert. Die Rasse war völlig aus der Mode. Was ich prinzipiell bei jeder Rasse erst mal gut finde. Unsre beiden waren jung, fit und gesund. Sie fügten sich in unser „Rudel“ perfekt ein, waren immer gut drauf und und ganz toll mit den Kindern. Wir liebten unsere Hundchen, denn ihr Charakter ist unvergleichlich. Sie als Mischung aus „Katzen, Fröschen und Kindern“ zu charakterisieren, trifft es ziemlich gut. Meine persönliche Meinung: Man sollte sie auf Krankenschein an Menschen mit Depressionen abgeben; denn sie verbreiten immer gute Laune und passen sich selbst den widrigsten Lebensläufen an. Erst mit der Zeit und zunehmend „Mopserfahrung“ merkte ich, dass sie hervorragend dem „Zuchtziel“ entsprachen, sonst aber verhältnismäßig lange Nasen hatten. Begeistert züchteten wir den ersten Wurf. Der Rüde – ein Champion – deckte wie ein Weltmeister, die Hündin brauchte kaum Geburtshilfe. Die Welpen gingen vielfach an Menschen, die sich einen verständnisvollen Lebenspartner wünschten – Sportlern und jungen Familien rieten wir ab.

Charakterlich unübertrefflich: Der "echte" Mops.

Trotz ihrer scheinbaren Gesundheit kamen über die Jahre Probleme auf uns zu: Die Atmung fiel ihnen bei heißem, schwülem Wetter zusehends schwerer, vor allem im Auto war es eine Katastrophe. Sie tobten wie die Wilden und röchelten danach erbärmlich. In einem Buch las ich, dass sich Möpse „gerne selbst überfordern“ und man „sie davon abhalten müsse“. Ein sehr vernünftiger Rat, wie ich fand, und ich beherzigte ihn! Doch was war da los, mit dieser 2000 Jahre alten Rasse? Ging es ihnen schon immer so? Weitere Nachforschungen ergaben, dass diese Hunde früher ganz anders ausgesehen hbent, wie ein Bild von 1927 aus Brehms Tierleben belegt (s.Bild oben).

Von Möpsen wollten wir dennoch nicht lassen: Wir kreuzten „Daisy“ ein. Einen Spitz-Dackel-Mix mit sehr langer Nase und Ringelschwanz. Die folgende Generation war langnasig – wenn auch etwas kläff-freudiger. In meinem Buch „Mopsgeflüster“ nenne ich sie „langnasige Spitzenmöpse“.

Heute sehe ich in meiner Praxis immer mehr industriell vermehrte Tiere. Kein Wunder, sie sind seit Jahren der Modehund schlechthin. Mit der Zeit entwickelte sich eine regelrechte Mops-Mania, jeder Medienmensch

"Spitzenmops", "Retromops", "Altdeutscher Mops" - egal, Hauptsache, er hat eine Nase!

scheint sich mit einem Mops schmücken zu müssen, kaum eine Werbung kommt ohne aus. Sie haben Hautprobleme, weggezüchtete Nasen, Spondylosen, Augenprobleme, Hüftgelenksdysplasie und vieles mehr. Es gibt Tierkliniken, die sich darauf spezialisiert haben, solch leidende Tiere „zurechtzuoperieren“ – und selbst sie weisen auf ein hohes Narkose-Risiko bei mittelmäßigen Erfolgsaussichten hin! All zu oft wird das „süße Röcheln und Schnarchen“ mit massiven Erstickungsanfällen verwechselt. Ein Jammer! Das zu kommunizieren trifft leider bei Mops-„Freunden“ auf wenig Gegenliebe. Erst kürzlich habe ich in einem Interview gewarnt, Möpse bei heißem Wetter zu überfordern – und wurde prompt von einer Mopshalterin angegriffen, wie ich als Tierarzt das Image des „faulen Mopses“ befördern könne. Traurig, kann ich nur sagen! Denn wie gesagt: Möpse sind nicht faul, sie überfordern sich sogar sehr gerne selbst. Probleme kommen (meist) mit dem Alter. Wer seinen Mops liebt, sollte sich das eingestehen und danach handeln!

An dieser Stelle möchte ich ein Zitat von Prof. Gerhard Oechterding einfügen. Er ist einer jener Tierärzte, die schon vor Jahren auf Kongressen ihre Kollegen aufrüttelten:

Die Zucht auf Kurznasigkeit bestimmter Rassen wird immer extremer.

Beispiele: Boxer, Mops, Franz. Bulldogge, Pekinese, Chihuahua oder

Perserkatzen usw.

Die dabei in Kauf genommenen Missbildungen der oberen Atemwege sind so

gravierend, dass die Funktion der Atmung immer stärker eingeschränkt

wird: Die Thermoregulation durch Ventilation in den Nasengängen ( sie

entspricht dem menschlichen Schwitzen) ist so gut wie unmöglich. So

leiden viele dieser Tiere schon als Welpen bei geringster Belastung

unter Atemnot und Überhitzung. Als Tierarzt kann man diesen Tieren nicht

wirklich helfen. Zunge und verdicktes Gaumensegel sind überlang. Das oft

praktizierte chirurgische Kürzen des Gaumensegels bringt wenig Besserung.

Die einfachste Lösung dieser – von Menschen gemachten – Probleme wäre,

das Zuchtziel “Extreme Kurznasigkeit“ aufzugeben und eine “ gut

funktionierende normale Nase“ als Zuchtziel wieder zuzulassen. Dieser

Weg wird in der Mopszucht schon beschritten. Liebhaber anderer in Frage

kommenden Rassen können durch entsprechende Nachfrage helfen, das zur

Zeit bestehende Zuchtziel “Extreme Kurznasigkeit“ abzuschaffen.

Ich denke nach wie vor, dass Möpse das beste sind, was uns Menschen passieren konnte. Um so mehr sollten wir uns in der Pflicht sehen, eine Kehrtwende zum gesunden Mops vorzunehmen – zu „langnasigen Spitzenmöpsen“, zu „altdeutschen“ Möpsen, zu „Retro-“ Möpsen, oder wie man sie auch immer nennen möchte. Dass das möglich ist, haben wir an einer anderen kurznasigen Rassen mitverfolgen können, nämlich dem Boxer. Vor 35 Jahren hatten meine Eltern einen damals typischen Boxer. Einen ohne Nase. Auch er röchelte, war kurzatmig. Doch irgendwann wurde frisches Blut eingekreuzt, meines Wissens nach Stafford. Vor ein paar Jahren habe ich einen Boxer übernommen – einen mit langer Nase. Und er ist perfekt!

Loriot war der wohl bekannteste Mopsliebhaber Deutschlands. Deshalb möchte ich sein Zitat „Ein Leben ohne Möpse ist möglich – aber sinnlos“ in folgendes umwandeln: „Ein Leben ohne Möpse ist möglich – und manchmal auch sinnvoll!“

 

Quellen:

– Prof. Gerhard Oechterding, Leipzig “Das Brachycephalsyndrom“ , in Veterinary

Focus Nr. 2/2010 Seite 2

– Henrik Hofmann, „Mopsgeflüster“, VetPress-Verlag

– Quelle Mopsköpfe: Wikipedia      Pug_600.jpg: sannse

Mops-drawing.jpg: Natwest adapt Gustav Mützel, derivative work: Anka Friedrich (talk)


 

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Henrik Hofmann

About Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann …. betreibt eine Kleintierpraxis in Butzbach/Hessen. Er ist spezialisiert auf Akupunktur und Schmerztherapie, seine Frau Daniela – ebenfalls Tierärztin – beschäftigt sich intensiv mit Zahnmedizin bei Kleintieren. Dr. Hofmanns spezielle Leidenschaften sind Schreiben und Fotografie. Einerseits auf diesem Blog, daneben aber auch für eine Reihe von Tierhalterzeitschriften und Tageszeitungen. Von ihm erschienene Bücher sind oben unter der Rubrik „Bücher“ beschrieben. www.tierundleben.de